Pflegeplanung bei Stomaversorgung
Rektumkarzinom, Anlage eines endständigen Kolostomas; Klinik
Ausgangssituation
Frau Y., 55 Jahre, Verkäuferin, hat vor fünf Tagen ein Kolostoma erhalten. Sie schaut beim Beutelwechsel weg und sagt: „Damit kann ich nie wieder unter Leute.“ Ihr Mann unterstützt sie, sie möchte aber selbstständig sein.
Relevante Patientendaten
- Stoma rot, feucht, glänzend, leicht über Hautniveau
- Haut um das Stoma an einer Stelle gerötet (Beutel undicht)
- Stuhl breiig
- Feinmotorik gut
- Schmerz gering
Relevante medizinische Informationen
- Kolostoma im linken Unterbauch
- Stomatherapeutin eingebunden
- Kostaufbau abgeschlossen
Pflegeanamnese
- Sehr gepflegtes Äußeres wichtig
- Schwimmt gern
- Ekel und Scham
- Mann ist zuversichtlich
Pflegeprobleme, Ziele und Maßnahmen
Problem 1 · ABEDL: Ausscheiden können
Frau Y. kann ihr Stoma noch nicht selbstständig versorgen, weil sie die Technik neu lernen muss und den Anblick meidet.
- Ressourcen
- Gute Feinmotorik, Wunsch nach Selbstständigkeit, Unterstützung durch Ehemann und Stomatherapie.
- Pflegeziel
- Frau Y. wechselt bis Tag 10 die Versorgung selbstständig und dicht.
- Maßnahmen
- Täglich Beutelwechsel gemeinsam, Rollen schrittweise übertragen (zeigen – gemeinsam – selbst)
- Schablone anpassen, Öffnung 1–2 mm größer als Stoma
- Checkliste zum Ablauf mitgeben
- Stomatherapie einbeziehen
- Evaluation
Kriterium: Selbstständigkeit, Dichtigkeit
Ergebnis: Wechselt mit Anleitung; Öffnung noch zu groß.
Entscheidung: Teilweise erreicht; Zuschneiden gezielt üben.
Problem 2 · ABEDL: Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten können
Frau Y. erlebt das Stoma als Verlust von Attraktivität und Normalität; sie fürchtet soziale Ausgrenzung.
- Ressourcen
- Unterstützender Ehemann; gepflegtes Auftreten als Ressource.
- Pflegeziel
- Frau Y. äußert bis zur Entlassung eine konkrete Perspektive für Alltag und Freizeit (z. B. Arbeit, Schwimmen) mit Stoma.
- Maßnahmen
- Gesprächsangebote, Gefühle ernst nehmen
- Kontakt zu Selbsthilfe (z. B. Stoma-Selbsthilfegruppen) anbieten
- Informationen zu Kleidung, Bademode und Geruchsfiltern
- Partner mit Einverständnis einbeziehen
- Evaluation
Kriterium: Äußerungen
Ergebnis: Schaut hin; Angst vor Geruch bleibt.
Entscheidung: Teilweise erreicht; gezielt zu Geruchsmanagement beraten.
Problem 3 · ABEDL: Sich pflegen können
Die Haut um das Stoma ist durch Stuhlkontakt gereizt.
- Ressourcen
- Bemerkt Undichtigkeiten selbst.
- Pflegeziel
- Die parastomale Haut ist bis Tag 8 intakt.
- Maßnahmen
- Haut bei jedem Wechsel beurteilen
- Haut nur mit Wasser reinigen, trocknen
- Schablone anpassen
- Hautveränderungen der Stomatherapie melden
- Evaluation
Kriterium: Hautbefund
Ergebnis: Rötung abgeheilt.
Entscheidung: Ziel erreicht.
Beobachtung und Dokumentation
- Stomafarbe, Größe, Niveau, Haut
- Ausscheidung
- Lernfortschritt beim Versorgungswechsel
Verlauf
Tag 9: Frau Y. wechselt die Basisplatte unter Anleitung, schneidet die Öffnung noch zu groß zu. Hautrötung abgeheilt nach angepasster Schablone. Sie schaut inzwischen hin, sagt aber, sie habe Angst vor Geruch im Laden.
Übung: Zielerreichung beurteilen
Ziel: Frau Y. wechselt bis Tag 10 die Versorgung selbstständig und dicht. Verlauf Tag 9: wechselt unter Anleitung, Öffnung zu groß zugeschnitten.
Wie beurteilst du die Zielerreichung?
Anpassung der Pflegeplanung
- Ziel bis zur Entlassung neu terminieren
- Überleitung an Stomatherapie/Homecare
- Beratung zu Geruchsmanagement