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Pflegeplanung lernen – Schritt für Schritt

Der Pflegeprozess nach Fiechter und Meier in sechs Schritten. Fachlich geprüft und freigegeben.

Schritt 1

Informationen sammeln

Grundlage jeder Planung ist ein möglichst vollständiges Bild der Person – nicht nur ihrer Erkrankung.

  • Pflegeanamnese: Gespräch mit der Person (und mit Einverständnis mit Angehörigen) über Gewohnheiten, Fähigkeiten, Einschränkungen und Wünsche.
  • Beobachtung: Haut, Mobilität, Atmung, Ernährung, Verhalten, Schmerzzeichen – gezielt und wiederholt.
  • Messwerte und Assessments: Vitalzeichen, Gewicht, standardisierte Instrumente (z. B. Schmerz- oder Sturzrisikoeinschätzung).
  • Dokumentation: Überleitungsbogen, Arztbriefe, frühere Pflegeberichte.
  • Interprofessionelle Informationen: ärztlicher Dienst, Physiotherapie, Logopädie, Sozialdienst, Ernährungsberatung.
  • Subjektive Daten (was die Person sagt) und objektive Daten (was gemessen oder beobachtet wird) getrennt erfassen.

Schritt 2

Pflegeprobleme und Ressourcen erkennen

Ein Pflegeproblem beschreibt, wobei die Person Unterstützung braucht – eine medizinische Diagnose beschreibt die Krankheit. „Apoplex“ ist eine Diagnose; „kann sich wegen der Halbseitenlähmung rechts nicht selbstständig waschen“ ist ein Pflegeproblem.

  • Mögliche Pflegeprobleme: eingeschränkte Mobilität, beeinträchtigte Selbstpflege, Risiko einer Aspiration, beeinträchtigte Hautintegrität, Schmerzen, Angst, unzureichende Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme, Unterstützungsbedarf bei der Medikamenteneinnahme.
  • Formulierung nach PES: Problem – Ursache (Einflussfaktor) – Symptom bzw. Anzeichen.
  • Aktuelle Probleme, Risiken (potenzielle Probleme) und verdeckte Probleme unterscheiden.
  • Pflegeprobleme nie pauschal aus der Diagnose übernehmen: Nicht jede Person mit Diabetes hat ein Hautproblem, nicht jede Person mit Demenz trinkt zu wenig.
  • Ressourcen sind Fähigkeiten der Person und ihres Umfelds – sie werden in Zielen und Maßnahmen gezielt genutzt.

Schritt 3

Pflegeziele formulieren

Ziele beschreiben den erwarteten Zustand aus Sicht der Person – positiv, realistisch, überprüfbar und mit Zeitangabe.

  • Kurzfristige Ziele (Tage) sind Etappen; langfristige Ziele (Wochen) beschreiben den angestrebten Endzustand.
  • Ziel enthält: Wer? Was? In welchem Ausmaß/mit welcher Unterstützung? Bis wann?
  • Realistisch heißt: passend zu Prognose, Ressourcen und Wünschen der Person – im palliativen Kontext z. B. Linderung statt Heilung.
  • Ziele möglichst gemeinsam mit der Person vereinbaren.

Unklar

Der Patient soll mobiler werden.

Präzise

Herr M. geht bis zum 12.11. mit Rollator und Begleitung einer Pflegeperson dreimal täglich sicher 20 m über den Flur.

Schritt 4

Maßnahmen planen

Maßnahmen müssen so konkret sein, dass jede Pflegeperson sie gleich durchführen kann.

  • Was wird getan?
  • Bei wem – und wer führt es durch (Pflegefachperson, Assistenz, Angehörige nach Anleitung)?
  • Wann und wie häufig?
  • Wie wird die Maßnahme durchgeführt (Technik, Hilfsmittel, Ablauf)?
  • Welche Unterstützung ist erforderlich (anleiten, unterstützen, teilweise oder vollständig übernehmen)?
  • Welche Sicherheitsaspekte gelten (z. B. Bremsen, ärztliche Anordnung, Kontraindikationen)?
  • Welche Beobachtungen sind wichtig und wann wird der Arzt informiert?

Beispiel: „3× täglich (8, 13, 18 Uhr) Gehtraining mit Rollator über den Flur, eine Pflegeperson geht seitlich hinter Herrn M.; vorher feste Schuhe anziehen; Puls, Atemnot und Schwindel beobachten; bei Schwindel sofort hinsetzen lassen und dokumentieren.“

Schritt 5

Durchführung und Dokumentation

Durchgeführte Maßnahmen werden zeitnah, sachlich und nachvollziehbar dokumentiert.

  • Leistungsnachweis: Was wurde wann von wem durchgeführt?
  • Pflegebericht: relevante Beobachtungen, Veränderungen, Reaktionen der Person, Abweichungen von der Planung – mit Begründung.
  • Objektiv formulieren: „lehnt das Frühstück ab, sagt ‚Mir ist übel‘“ statt „ist schlecht drauf“.
  • Informationen weitergeben: Übergabe, ärztlicher Dienst bei Auffälligkeiten.
  • Abweichungen (z. B. Maßnahme wegen Schmerzen ausgelassen) sind keine Fehler, sondern wichtige Informationen für die Evaluation.

Schritt 6

Evaluation

Am festgelegten Termin wird die tatsächliche Situation mit dem Ziel verglichen.

  • Ziel erreicht: alle Zielkriterien erfüllt → Ziel abschließen oder neues Ziel setzen; Maßnahme ggf. als Dauermaßnahme beibehalten.
  • Ziel teilweise erreicht: einzelne Kriterien erfüllt → Ursachen prüfen, Ziel neu terminieren oder Maßnahmen anpassen.
  • Ziel nicht erreicht: Ursachen analysieren (Ziel unrealistisch? Maßnahme ungeeignet oder nicht durchgeführt? Zustand verändert?) und Planung überarbeiten.
  • Die Beurteilung wird immer mit den Verlaufsdaten begründet.
  • Danach beginnt der Kreislauf von vorn: neue Informationen fließen in die Planung ein.
Jetzt selbst üben: Werkstatt öffnen