Pflegeplanung bei pAVK
Periphere arterielle Verschlusskrankheit, Stadium mit Belastungsschmerz (Claudicatio); ambulante Pflege
Ausgangssituation
Herr I., 71 Jahre, ehemaliger Lkw-Fahrer, raucht seit 50 Jahren. Er kann nur noch etwa 100 m gehen, dann bekommt er Wadenschmerzen und muss stehen bleiben. Er geht deshalb kaum noch aus dem Haus. Die ambulante Pflege kommt wegen der Medikamentengabe.
Relevante Patientendaten
- Schmerzfreie Gehstrecke ca. 100 m
- Füße kühl und blass, Fußpulse rechts schwach tastbar (ärztlich dokumentiert)
- Haut an den Zehen trocken, kleine Druckstelle an der rechten Ferse durch zu enge Hausschuhe
- Diabetes mellitus Typ 2
- Raucht 20 Zigaretten täglich
Relevante medizinische Informationen
- pAVK ärztlich gesichert
- Thrombozytenaggregationshemmer und Statin angeordnet
- Ärztlich empfohlenes strukturiertes Gehtraining
Pflegeanamnese
- Lebt allein, Sohn kommt am Wochenende
- Hat früher gern Spaziergänge mit Hund gemacht
- Weiß nicht, dass enge Schuhe gefährlich sind
- Will Rauchen „vielleicht reduzieren“
Pflegeprobleme, Ziele und Maßnahmen
Problem 1 · ABEDL: Sich bewegen können
Herr I. kann wegen Durchblutungsstörung der Beine nur ca. 100 m schmerzfrei gehen und bewegt sich deshalb kaum noch.
- Ressourcen
- Geht gern spazieren; ärztliche Empfehlung zum Gehtraining; Sohn kann begleiten.
- Pflegeziel
- Herr I. führt ab sofort an mindestens 5 Tagen pro Woche Gehtraining durch; die schmerzfreie Gehstrecke steigt in 6 Wochen auf mindestens 150 m.
- Maßnahmen
- Gehtraining erklären: gehen bis zum Schmerz, stehen bleiben, weitergehen
- Gehtagebuch mit Strecke/Minuten führen lassen, bei jedem Besuch besprechen
- Feste, weite Schuhe
- Beine NICHT hochlagern und KEINE Kompression (verschlechtern die arterielle Durchblutung)
- Evaluation
Kriterium: Gehtagebuch, Gehstrecke
Ergebnis: 5×/Woche, 150 m nach 4 Wochen.
Entscheidung: Ziel bereits erreicht; neues Ziel 200 m.
Problem 2 · ABEDL: Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können
Herr I. hat ein hohes Risiko für Verletzungen und schlecht heilende Wunden an den Füßen (pAVK, Diabetes), und er kennt die Fußpflegeregeln nicht.
- Ressourcen
- Kann Füße mit Spiegel ansehen; nimmt Ratschläge an.
- Pflegeziel
- Herr I. kontrolliert bis Ende Woche 2 täglich seine Füße und trägt passende Schuhe.
- Maßnahmen
- Tägliche Fußinspektion mit Spiegel anleiten
- Keine Wärmflasche, keine heißen Fußbäder (Verbrennungsgefahr bei verminderter Empfindung)
- Podologische Fußpflege vermitteln (nach ärztlicher Verordnung)
- Druckstelle beobachten und dokumentieren; Verschlechterung ärztlich melden
- Evaluation
Kriterium: Selbstauskunft, Fußbefund
Ergebnis: Kontrolliert täglich, neue Schuhe, Druckstelle abgeheilt.
Entscheidung: Ziel erreicht.
Problem 3 · ABEDL: Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können
Herr I. raucht weiter, was das Fortschreiten der Gefäßerkrankung begünstigt.
- Ressourcen
- Ambivalent, aber gesprächsbereit.
- Pflegeziel
- Herr I. reduziert sein Rauchen in 4 Wochen auf höchstens 10 Zigaretten pro Tag und kennt Unterstützungsangebote zum Rauchstopp.
- Maßnahmen
- Motivierende Gespräche ohne Vorwürfe
- Zusammenhang Rauchen–Gehstrecke erklären
- Hinweis auf Rauchstopp-Angebote (z. B. Beratungstelefone, Hausarzt)
- Evaluation
Kriterium: Zigaretten/Tag
Ergebnis: 15/Tag.
Entscheidung: Ziel nicht erreicht; Ziel und Strategie anpassen.
Beobachtung und Dokumentation
- Hautfarbe, Temperatur, Wunden an den Füßen
- Gehstrecke laut Tagebuch
- Rauchverhalten und Beratung
Verlauf
Woche 4: Herr I. geht 5× pro Woche mit Pausen, schmerzfreie Gehstrecke ca. 150 m. Neue, weite Schuhe gekauft; Druckstelle abgeheilt. Raucht noch 15 Zigaretten täglich.
Übung: Zielerreichung beurteilen
Ziel: Herr I. raucht nach 4 Wochen höchstens 10 Zigaretten täglich. Verlauf: 15 täglich; er sagt, ohne Zigarette am Morgen sei er „nicht zu gebrauchen“.
Wie beurteilst du die Zielerreichung?
Anpassung der Pflegeplanung
- Gehziel steigern
- Rauchstopp-Ziel mit Herrn I. neu aushandeln
- Fußkontrolle als Dauermaßnahme