Pflegeplanung in der palliativen Versorgung bei Krebserkrankung
Metastasiertes Pankreaskarzinom, palliative Situation; Palliativstation
Ausgangssituation
Frau J., 58 Jahre, Lehrerin, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Sie ist auf die Palliativstation aufgenommen worden, nachdem die Chemotherapie beendet wurde. Sie hat starke Oberbauchschmerzen, isst kaum und sagt: „Ich will nicht im Krankenhaus sterben.“
Relevante Patientendaten
- Schmerz NRS 7 in Ruhe
- Übelkeit, mehrfach täglich
- Seit 3 Tagen kein Stuhlgang unter Opioidtherapie
- Mundschleimhaut trocken, Belag auf der Zunge
- Patientenverfügung liegt vor
Relevante medizinische Informationen
- Fortgeschrittene Tumorerkrankung mit Lebermetastasen
- Opioid-Basistherapie und Bedarfsmedikation ärztlich angeordnet
- Antiemetikum und Laxans angeordnet
- Behandlungsziel: Symptomkontrolle und Lebensqualität
Pflegeanamnese
- Wunsch: zu Hause sterben, Familie soll entlastet werden
- Liebt Pfefferminztee, kann nur kleine Mengen essen
- Hat Angst, die Familie zu belasten
- Ist evangelisch, wünscht Besuch der Seelsorge
Pflegeprobleme, Ziele und Maßnahmen
Problem 1 · ABEDL: Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
Frau J. hat starke tumorbedingte Schmerzen (NRS 7), die ihre Lebensqualität und Gespräche mit der Familie einschränken.
- Ressourcen
- Kann Schmerzen klar benennen und einschätzen; wünscht aktive Beteiligung.
- Pflegeziel
- Frau J. hat bis Tag 3 in Ruhe einen Schmerz von höchstens NRS 3 und empfindet ihn als erträglich.
- Maßnahmen
- Schmerz mindestens 3× täglich und 30–60 Minuten nach Bedarfsgabe mit NRS erfassen
- Basis- und Bedarfsmedikation pünktlich nach Anordnung, Wirkung dokumentieren
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Wärme nach Wunsch, entlastende Positionen
- Bei unzureichender Wirkung ärztlich informieren (Anpassung der Therapie)
- Evaluation
Kriterium: NRS in Ruhe und Bewegung, Selbstauskunft
Ergebnis: NRS 3 in Ruhe, Frau J. empfindet das als erträglich.
Entscheidung: Ziel erreicht; Schmerzerfassung fortführen, Bewegungsschmerz gesondert planen.
Problem 2 · ABEDL: Ausscheiden können
Frau J. hat seit 3 Tagen keinen Stuhlgang, weil Opioide die Darmtätigkeit hemmen; sie klagt über Völlegefühl.
- Ressourcen
- Kann zur Toilette begleitet werden; nimmt Medikamente zuverlässig ein.
- Pflegeziel
- Frau J. hat bis Tag 2 Stuhlgang und danach spätestens alle 2–3 Tage ohne starkes Pressen.
- Maßnahmen
- Laxans nach Anordnung regelmäßig, nicht nur bei Bedarf
- Stuhlprotokoll führen
- Flüssigkeit nach Wunsch anbieten, Kolonmassage wenn angenehm
- Bei Erbrechen, Bauchschmerz oder fehlender Wirkung ärztlich informieren
- Evaluation
Kriterium: Stuhlprotokoll
Ergebnis: Stuhlgang Tag 2.
Entscheidung: Ziel erreicht; Prophylaxe als Dauermaßnahme.
Problem 3 · ABEDL: Soziale Bereiche des Lebens sichern und gestalten können
Frau J. möchte zu Hause sterben; die Versorgung zu Hause ist noch nicht organisiert, und sie sorgt sich, die Familie zu überfordern.
- Ressourcen
- Familie ist bereit zu unterstützen; Patientenverfügung liegt vor; klare Wünsche.
- Pflegeziel
- Bis Tag 5 ist die häusliche Versorgung (SAPV, Pflegebett, Medikamente) organisiert, und Frau J. sagt, dass sie sich gut vorbereitet fühlt.
- Maßnahmen
- Familiengespräch mit Arzt, Sozialdienst und SAPV vermitteln
- Angehörige in Mundpflege und Positionierung anleiten
- Notfallplan für zu Hause mit Erreichbarkeiten erstellen
- Seelsorge-Besuch nach Wunsch organisieren
- Evaluation
Kriterium: Organisierte Hilfen, Selbstauskunft
Ergebnis: Pflegebett bestellt, SAPV-Termin steht; Frau J. ist erleichtert.
Entscheidung: Ziel erreicht; Entlassung planen.
Beobachtung und Dokumentation
- Schmerzintensität mit Zeitpunkt und Wirkung der Bedarfsmedikation
- Stuhlgang, Übelkeit, Mundzustand
- Wünsche, Gespräche und Absprachen mit Familie und Team
Verlauf
Tag 3: Schmerz in Ruhe NRS 3, bei Bewegung NRS 5 nach Bedarfsgabe. Stuhlgang an Tag 2. Übelkeit einmal täglich. Mundschleimhaut feucht. Gespräch mit Familie, Sozialdienst und SAPV-Team über Entlassung nach Hause hat stattgefunden; Pflegebett ist bestellt.
Übung: Zielerreichung beurteilen
Ziel: Frau J. hat bis Tag 3 in Ruhe Schmerzen von höchstens NRS 3. Verlauf: Tag 3 NRS 3 in Ruhe, NRS 5 bei Bewegung nach Bedarfsgabe; sie sagt „So kann ich mit meinen Kindern reden.“
Wie beurteilst du die Zielerreichung?
Anpassung der Pflegeplanung
- Ziel für Bewegungsschmerz ergänzen
- Überleitung an SAPV mit vollständiger Schmerzdokumentation
- Anleitung der Angehörigen fortführen