Pflegeplanung bei Mangelernährung
Mangelernährung bei Depression und Zahnprothesenproblemen; ambulante Pflege
Ausgangssituation
Herr H., 80 Jahre, Witwer seit einem Jahr. Seit dem Tod seiner Frau isst er kaum noch warme Mahlzeiten. Seine Zahnprothese sitzt locker, er hat 6 kg in 3 Monaten abgenommen. Die Pflege kommt zur Medikamentengabe.
Relevante Patientendaten
- Gewicht 58 kg (vor 3 Monaten 64 kg), Größe 1,75 m
- Isst morgens eine Scheibe Brot, sonst Kekse
- Prothese wackelt, Druckstelle am Gaumen
- Antriebsarm, sagt „Für wen soll ich kochen?“
- Trinkt ca. 1 l/Tag
Relevante medizinische Informationen
- Depression, ärztlich behandelt
- Hausarzt über Gewichtsverlust informiert
- Zahnärztliche Kontrolle empfohlen
Pflegeanamnese
- Frau hat immer gekocht
- Mag Kartoffelsuppe und Rührei
- Geht gern zum Seniorentreff, war aber seit Monaten nicht dort
- Tochter wohnt 20 km entfernt
Pflegeprobleme, Ziele und Maßnahmen
Problem 1 · ABEDL: Essen und trinken können
Herr H. nimmt zu wenig Energie und Eiweiß auf und hat 6 kg in 3 Monaten verloren, weil er nicht kocht, wenig Appetit hat und die Prothese schmerzt.
- Ressourcen
- Mag einfache Gerichte, kann selbst essen, Tochter unterstützt.
- Pflegeziel
- Herr H. isst in 4 Wochen täglich eine warme Mahlzeit und zwei Zwischenmahlzeiten; sein Gewicht nimmt nicht weiter ab.
- Maßnahmen
- Screening auf Mangelernährung durchführen und dokumentieren
- Essen auf Rädern bzw. Mittagstisch organisieren (mit Herrn H. und Tochter)
- Eiweißreiche Zwischenmahlzeiten nach Vorliebe (Rührei, Joghurt)
- Wöchentlich wiegen, gleiche Bedingungen
- Hausarzt über Verlauf informieren
- Evaluation
Kriterium: Gewicht, Essprotokoll
Ergebnis: Gewicht +0,5 kg; warme Mahlzeit an 5 von 7 Tagen.
Entscheidung: Teilweise erreicht; Wochenende planen.
Problem 2 · ABEDL: Sich pflegen können
Herr H. hat wegen lockerer Prothese eine Druckstelle am Gaumen und Schmerzen beim Kauen.
- Ressourcen
- Pflegt die Prothese selbst.
- Pflegeziel
- Herr H. kann in 2 Wochen schmerzfrei kauen.
- Maßnahmen
- Zahnarzttermin mit Tochter organisieren
- Mundschleimhaut wöchentlich inspizieren
- Weiche Kost bis zur Anpassung
- Evaluation
Kriterium: Schmerz beim Kauen
Ergebnis: Schmerzfrei nach Anpassung.
Entscheidung: Ziel erreicht.
Problem 3 · ABEDL: Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
Herr H. trauert um seine Frau und hat den Sinn am Essen und an sozialen Kontakten verloren.
- Ressourcen
- War gern im Seniorentreff; Tochter.
- Pflegeziel
- Herr H. nimmt in 4 Wochen mindestens einmal wöchentlich an einem gemeinschaftlichen Essen teil.
- Maßnahmen
- Gesprächsangebote, Trauer anerkennen
- Mittagstisch im Seniorentreff vorschlagen
- Hausarzt über Stimmung informieren
- Evaluation
Kriterium: Teilnahme
Ergebnis: Einmal teilgenommen in 4 Wochen.
Entscheidung: Nicht erreicht; Begleitung organisieren.
Beobachtung und Dokumentation
- Gewicht und Screeningergebnis
- Essmengen
- Mundbefund
- Stimmung und Teilhabe
Verlauf
Woche 4: Zahnprothese angepasst, Druckstelle abgeheilt. Essen auf Rädern an 5 Tagen, isst davon ca. drei Viertel. Gewicht 58,5 kg. Ging einmal zum Mittagstisch im Seniorentreff.
Übung: Zielerreichung beurteilen
Ziel: Herr H. isst täglich eine warme Mahlzeit und zwei Zwischenmahlzeiten; das Gewicht nimmt nicht weiter ab. Verlauf: Gewicht +0,5 kg; warme Mahlzeit an 5 von 7 Tagen (Wochenende nicht), Zwischenmahlzeiten unregelmäßig.
Wie beurteilst du die Zielerreichung?
Anpassung der Pflegeplanung
- Wochenendversorgung ergänzen
- Begleitung zum Mittagstisch
- Hausarzt über anhaltende Antriebslosigkeit informieren