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Pflegeplanung bei Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes mellitus Typ 2, neu entgleist, beginnende Polyneuropathie

Fachlich geprüft und freigegeben ·

Ausgangssituation

Frau S., 64 Jahre, wird mit einem Blutzucker von 320 mg/dl und einer nicht heilenden Wunde am rechten Fuß aufgenommen. Der Diabetes ist seit 8 Jahren bekannt, bisher mit Tabletten behandelt; nun soll sie auf Insulin umgestellt werden. Frau S. hat Angst vor dem Spritzen und lebt mit ihrem Mann zusammen.

Relevante Patientendaten

  • Blutzucker nüchtern 280–320 mg/dl, HbA1c 9,1 %
  • Plantare Wunde rechts, 2 cm, keine Infektzeichen
  • Vermindertes Vibrationsempfinden beidseits (Polyneuropathie)
  • BMI 31, bewegt sich wenig
  • Insulinangst: „Ich kann mir selbst nicht spritzen.“

Pflegeprobleme, Ziele und Maßnahmen

Problem 1 · ABEDL: Essen und trinken können

Frau S. hat dauerhaft stark erhöhte Blutzuckerwerte, weil die bisherige Therapie nicht mehr ausreicht und Ernährung sowie Bewegung nicht angepasst sind.

Ressourcen
Kocht gern, Ehemann unterstützt, motiviert nach Aufklärung über die Wunde.
Pflegeziel
Frau S. erreicht bis Tag 7 Blutzuckerwerte überwiegend unter 180 mg/dl und beschreibt zwei konkrete Ernährungsänderungen, die sie umsetzen will.
Maßnahmen
  • Blutzuckerprofil nach Anordnung (nüchtern, vor den Mahlzeiten, zur Nacht) messen und dokumentieren
  • Insulingabe nach Anordnung, Wirkung und Nebenwirkungen beobachten
  • Ernährungsberatung veranlassen; gemeinsam realistische Änderungen festlegen
  • Hypoglykämie-Zeichen und Verhalten bei Unterzuckerung schulen
Evaluation

Kriterium: Blutzuckertagebuch auswerten; Ernährungsziele im Gespräch prüfen

Ergebnis: Tag 7: Werte 150–190 mg/dl, Frau S. nennt zwei Änderungen (zuckerfreie Getränke, Gemüsebeilage) – Ziel teilweise erreicht.

Entscheidung: Ziel beibehalten, Zeitraum verlängern; Ernährungsschulung ambulant fortsetzen.

Problem 2 · ABEDL: Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können

Frau S. hat eine Fußwunde und spürt wegen der Polyneuropathie Verletzungen schlecht – hohes Risiko für ein diabetisches Fußsyndrom.

Ressourcen
Sehfähigkeit gut, kann mit Handspiegel die Fußsohlen kontrollieren.
Pflegeziel
Frau S. kontrolliert bis Tag 5 täglich eigenständig ihre Füße und nennt drei Schutzregeln (kein Barfußlaufen, passendes Schuhwerk, keine eigene Hornhautentfernung).
Maßnahmen
  • Tägliche Fußinspektion gemeinsam durchführen, schrittweise an Frau S. übergeben
  • Handspiegel bereitlegen und Technik üben
  • Fußpflege durch qualifizierte Fußpflege veranlassen; Nagel- und Hornhautpflege nicht selbst/laienhaft
  • Wundversorgung nach Anordnung; Wundverlauf mit Foto/Maß dokumentieren
  • Auf druckentlastendes Schuhwerk hinwirken, Versorgung klären
Evaluation

Kriterium: Beobachtung der Selbstkontrolle; Wundverlauf

Ergebnis: Tag 5: Fußkontrolle mit Erinnerung, Regeln benannt – Ziel teilweise erreicht; Wunde ohne Infektzeichen.

Entscheidung: Erinnerungsstruktur einbauen (Kontrolle ans Zähneputzen koppeln); Ziel weiterverfolgen.

Problem 3 · ABEDL: Sich beschäftigen, lernen, sich entwickeln können

Frau S. traut sich die Selbstinjektion von Insulin nicht zu, weil sie Angst vor der Nadel und vor Fehlern hat.

Ressourcen
Kann den Pen nach Anleitung handhaben, Ehemann bereit zu lernen, fragt gezielt nach.
Pflegeziel
Frau S. injiziert bis zur Entlassung ihr Insulin selbstständig und sicher, inklusive Stellenwechsel und Pen-Lagerung.
Maßnahmen
  • Injektionstechnik in kleinen Schritten zeigen und üben lassen (zuerst an Übungsmaterial)
  • Ängste ansprechen und ernst nehmen; Erfolge benennen
  • Injektionsstellen-Schema gemeinsam festlegen (Lipohypertrophie vermeiden)
  • Ehemann in die Schulung einbeziehen
  • Verständnis durch eigenständige Durchführung unter Beobachtung prüfen
Evaluation

Kriterium: Letzte Injektionen vor Entlassung vollständig selbstständig

Ergebnis: Am Entlasstag injiziert Frau S. selbstständig mit korrektem Stellenwechsel – Ziel erreicht.

Entscheidung: Abschluss; Diabetesberatung und Hausarzttermin zur Verlaufskontrolle organisiert.

Verlauf

Tag 4: Blutzuckerwerte 160–210 mg/dl, Wunde unverändert ohne Infektzeichen. Frau S. hat die Insulinpens zweimal unter Anleitung selbst gesetzt, zittert dabei noch, schafft es aber. Sie kontrolliert ihre Füße morgens mit dem Spiegel, wenn man sie daran erinnert.

Übung: Zielerreichung beurteilen

Ziel: Frau S. kontrolliert bis Tag 5 täglich eigenständig ihre Füße und nennt drei Schutzregeln. Verlauf: Sie kontrolliert ihre Füße morgens mit dem Spiegel, wenn man sie daran erinnert.

Wie beurteilst du die Zielerreichung?