Pflegeplanung bei COPD mit eingeschränkter Belastbarkeit
COPD mit Exazerbation, Langzeitsauerstofftherapie; Klinik
Ausgangssituation
Herr W., 69 Jahre, früher Dachdecker, wird mit akuter Verschlechterung seiner COPD aufgenommen. Er bekommt beim Waschen und beim Gang zur Toilette starke Atemnot und hat Angst zu ersticken. Er lebt mit seiner Frau in einer Erdgeschosswohnung.
Relevante Patientendaten
- AF 26/min, SpO2 88 % unter angeordnetem O2 2 l/min
- Zäher, gelblicher Auswurf
- Nutzt Lippenbremse nur unregelmäßig
- Gewicht 61 kg bei 1,78 m, isst wenig wegen Luftnot
- Raucht 10 Zigaretten täglich
Relevante medizinische Informationen
- COPD seit 10 Jahren, Langzeitsauerstoff zu Hause
- Antibiotische und systemische Glukokortikoidtherapie ärztlich angeordnet
- Inhalative Bronchodilatatoren als Dauermedikation
Pflegeanamnese
- Sagt: „Wenn ich keine Luft bekomme, denke ich, ich sterbe.“
- Duscht zu Hause sitzend, braucht danach 20 Minuten Pause
- Inhaliert „irgendwie“, Technik unsicher
- Frau unterstützt beim Einkauf
Pflegeprobleme, Ziele und Maßnahmen
Problem 1 · ABEDL: Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können
Herr W. hat bei geringer Belastung Atemnot (AF 26/min, SpO2 88 %), weil die Exazerbation die Atemwege verengt und zähes Sekret die Atmung behindert.
- Ressourcen
- Kennt die Lippenbremse und den Kutschersitz; motiviert; Sauerstoff zu Hause bekannt.
- Pflegeziel
- Herr W. setzt bis Tag 5 bei jeder Belastung selbstständig Lippenbremse und atemerleichternde Haltung ein; AF in Ruhe unter 22/min.
- Maßnahmen
- Lippenbremse und Kutschersitz vor jeder Belastung anleiten und gemeinsam üben
- Oberkörper hoch lagern, Fenster öffnen lassen bei Wunsch
- Sekretlösung: Flüssigkeit nach ärztlicher Vorgabe anbieten, Inhalation nach Anordnung, Hustentechnik (Huffing) anleiten
- O2 nur nach angeordneter Flussrate; SpO2-Zielbereich laut Anordnung beachten
- AF, SpO2, Auswurf 3× täglich dokumentieren; Verschlechterung ärztlich melden
- Evaluation
Kriterium: AF in Ruhe, Einsatz der Techniken bei Belastung
Ergebnis: AF 20/min; setzt Techniken häufiger, aber noch nicht bei jeder Belastung ein.
Entscheidung: Ziel teilweise erreicht; Anleitung fortführen und Merkhilfe am Bett.
Problem 2 · ABEDL: Sich pflegen können
Herr W. kann sich wegen Atemnot nicht ohne Unterbrechung waschen und den Rücken nicht selbst erreichen.
- Ressourcen
- Wäscht Gesicht, Oberkörper und Beine sitzend; kennt Pausen aus dem Alltag.
- Pflegeziel
- Herr W. wäscht sich bis Tag 6 sitzend am Waschbecken mit selbst gewählten Pausen bis auf den Rücken selbst, ohne dass die SpO2 unter den angeordneten Zielbereich fällt.
- Maßnahmen
- Körperpflege nach der Inhalation und nicht direkt nach dem Essen planen
- Stuhl am Waschbecken, Utensilien in Reichweite
- Pausen aktiv einplanen, Rücken übernehmen
- SpO2 vorher und nachher messen
- Evaluation
Kriterium: Selbstständigkeit, SpO2 vor/nach Pflege
Ergebnis: Wäscht sich bis auf den Rücken selbst, SpO2 stabil.
Entscheidung: Ziel erreicht; als Routine weiterführen.
Problem 3 · ABEDL: Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
Herr W. hat starke Angst zu ersticken; die Angst verstärkt die Atemnot.
- Ressourcen
- Kann über seine Angst sprechen; Frau ist wichtige Stütze.
- Pflegeziel
- Herr W. benennt bis Tag 6 zwei Strategien, mit denen er sich bei Atemnot selbst beruhigen kann, und wendet sie an.
- Maßnahmen
- Bei Atemnot bei ihm bleiben, ruhig sprechen, gemeinsam Lippenbremse atmen
- Zusammenhang Angst–Atemnot erklären
- Notfallplan gemeinsam erarbeiten (was tun, wen rufen)
- Rauchstopp-Beratung anbieten (motivierend, nicht moralisierend)
- Evaluation
Kriterium: Selbstauskunft, Beobachtung bei Atemnot
Ergebnis: Nennt Lippenbremse und Kutschersitz, wendet sie an, sagt aber, die Angst sei noch groß.
Entscheidung: Ziel teilweise erreicht; psychosoziale Unterstützung/Atemphysiotherapie ergänzen.
Beobachtung und Dokumentation
- AF, SpO2 mit O2-Flussrate, Auswurf (Menge, Farbe, Konsistenz)
- Reaktion auf Belastung bei der Körperpflege
- Lernstand Inhalationstechnik
Verlauf
Tag 4: AF 20/min, SpO2 91 % unter O2 2 l/min, Auswurf weniger zäh. Wäscht sich sitzend am Waschbecken mit Pausen selbst, braucht für den Rücken Hilfe. Inhalationstechnik nach Anleitung korrekt, vergisst aber das Ausatmen vor dem Hub. Angst bei Belastung weiter vorhanden, setzt aber Lippenbremse häufiger ein.
Übung: Zielerreichung beurteilen
Ziel: Herr W. setzt bis Tag 5 bei jeder Belastung selbstständig Lippenbremse und atemerleichternde Haltung ein; AF in Ruhe unter 22/min. Verlauf Tag 5: AF 20/min; nutzt die Techniken häufiger, beim Toilettengang muss er noch erinnert werden.
Wie beurteilst du die Zielerreichung?
Anpassung der Pflegeplanung
- Ziel zur Atemtechnik neu terminieren
- Atemphysiotherapie und ggf. psychosoziale Unterstützung
- Inhalationsschulung mit Ehefrau vor Entlassung wiederholen