← Prophylaxen

Prophylaxen im Überblick

Systematik pflegerischer Prophylaxen: von Dekubitus über Sturz und Thrombose bis zur Aspirationsprophylaxe.

Fachlich geprüft und freigegeben · Stand: 27.10.2026

Grundprinzip

Prophylaxen sind vorbeugende Maßnahmen gegen vermeidbare Komplikationen der Immobilität und Krankheit. Das Grundprinzip ist überall gleich: Risiko systematisch einschätzen, individuelle Maßnahmen planen, Wirkung evaluieren. Wo es geht, hat Mobilität Vorrang vor Hilfsmitteln.

Dekubitusprophylaxe

Ziel: Druckgeschwüre verhindern. Kernmaßnahmen: Risikoeinschätzung (z. B. Braden-Skala als Unterstützung), Bewegungsförderung und Positionswechsel, druckverteilende Hilfsmittel, Hautinspektion und -pflege, Ernährung sichern. Ausführlich im eigenen Artikel.

Sturzprophylaxe

  • Risikofaktoren: Gangunsicherheit, Sturzanamnese, Medikamente (Sedativa, Diuretika, Blutdrucksenker), Seh- und Hörstörungen, Delir, unsichere Umgebung.
  • Maßnahmen: Umgebung sichern (Licht, Wege frei, Klingel in Reichweite), geeignetes Schuhwerk, Hilfsmittel bereitstellen, begleitetes Gehen, Angehörige einbeziehen.
  • Fixierungen sind keine Sturzprophylaxe, sondern freiheitsentziehende Maßnahmen mit Genehmigungspflicht.

Thromboseprophylaxe

  • Frühmobilisation als wirksamste Maßnahme.
  • Bewegungsübungen im Bett (Fuß- und Beinübungen), ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe und Antikoagulation nur nach ärztlicher Anordnung.
  • Beinschwellung, Schmerz, Überwärmung beobachten; bei Verdacht Bein nicht massieren, sondern ruhigstellen und Arzt informieren.

Pneumonieprophylaxe

  • Mobilisation und aufrechte Lagerung.
  • Atemübungen und ggf. Atemtherapiegeräte.
  • Sorgfältige Mundpflege – besonders bei beatmeten und schluckgestörten Patienten.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Sekretlösung.

Aspirationsprophylaxe

  • Schluckscreening bei Risikopatienten vor der ersten oralen Gabe.
  • Aufrechte Sitzposition beim Essen und Trinken, 30 Minuten danach sitzen bleiben.
  • Angepasste Kost- und Trinkkonsistenzen nach logopädischer Empfehlung.
  • Kleine Bissen, langsames Tempo, keine Ablenkung beim Schlucken, Mundpflege nach den Mahlzeiten.

Kontrakturen- und Intertrigoprophylaxe

Kontrakturen entstehen durch Fehl- und Schonhaltung; Gegenmittel sind Lagerung in Mittelstellung, aktive und passive Bewegungsübungen und frühe Mobilisation. Intertrigo (Wundsein in Hautfalten) wird durch gründliches Abtrocknen, Trockenhalten und ggf. geeignete Hautpflegeprodukte vermieden.

Exsikkose- und Obstipationsprophylaxe

Ausreichende Trinkmenge (bei älteren Menschen oft vermindertes Durstgefühl), Trinkangebote aktiv anbieten und Bilanz führen. Gegen Obstipation wirken Bewegung, Ballaststoffe, Flüssigkeit und feste Toilettenzeiten; bei Opioidtherapie ist eine begleitende Darmprophylaxe Standard.

Zusammenfassung

Alle Prophylaxen folgen demselben Muster: Risiko erkennen, bewegen, beobachten, evaluieren. Mobilität ist die Metaprophylaxe.

Wissenstest (1)

Aufgabe 1 · Zuordnung · Prophylaxen zuordnen

Ordne jedem Risiko die passende Maßnahme zu.

Quellen