Diabetes mellitus Typ 1
Autoimmunerkrankung mit absoluteim Insulinmangel – lebenslange Insulintherapie und konsequente Selbstkontrolle.
Definition
Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die insulinbildenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Es entsteht ein absoluter Insulinmangel: Ohne zugeführtes Insulin kann die Glukose nicht in die Zellen gelangen. Die Erkrankung beginnt meist im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter, kann aber in jedem Alter auftreten.
Unterschied zu Typ 2
- Typ 1: absoluter Insulinmangel, Autoimmunprozess, meist rascher Beginn, immer Insulinpflicht.
- Typ 2: Insulinresistenz mit relativem Insulinmangel, schleichender Beginn, zunächst oft ohne Insulin behandelbar.
Symptome
Der Beginn ist meist akut: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust trotz Heißhunger, Müdigkeit und bei fortschreitendem Insulinmangel Übelkeit, Bauchschmerzen und Azetongeruch des Atems. Unbehandelt droht die diabetische Ketoazidose, ein lebensgefährlicher Notfall.
Ketoazidose erkennen
- Blutzucker deutlich erhöht, Ketone im Blut oder Urin.
- Tiefe, beschleunigte Atmung (Kußmaul-Atmung), Azetongeruch.
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Austrocknung, Bewusstseinsstörung.
- Sofortiger Notfall: ärztliche Hilfe, keine eigenmächtige Insulingabe nach Laienregeln.
Therapie
Die Therapie besteht lebenslang aus Insulin – als intensivierte konventionelle Therapie (ICT) mit Basal- und Bolusinsulin oder als Insulinpumpentherapie (CSII). Blutzuckerselbstkontrolle oder kontinuierliche Glukosemessung (CGM) gehören zum Alltag. Ziel ist eine möglichst normnahe Blutzuckereinstellung ohne Unterzuckerungen.
Hypoglykämie
Unterzuckerung (meist unter 70 mg/dl) ist die häufigste akute Komplikation der Insulintherapie. Frühwarnzeichen: Schwitzen, Zittern, Herzrasen, Heißhunger, Konzentrationsstörung. Bei wachen Personen schnell wirksame Kohlenhydrate geben, nach 10–15 Minuten nachmessen. Bei Bewusstlosigkeit: nichts oral geben, stabile Seitenlage, Notruf, nach Anordnung Glukagon.
Pflegerische Aufgaben
- Blutzucker messen, dokumentieren und Verläufe erkennen.
- Insulin nach Anordnung korrekt applizieren (Art, Dosis, Zeitpunkt, Injektionsstelle).
- Injektionsstellen systematisch wechseln, Lipohypertrophien vermeiden.
- Patienten und Angehörige in Selbstkontrolle und Krankheitstag-Regeln schulen.
- Bei Nüchternheit vor Eingriffen Insulin- und Essensplan mit dem ärztlichen Dienst abstimmen.
Praxisbeispiel
Eine 19-jährige Patientin mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes lernt in der Schulung, Kohlenhydrate einzuschätzen, Korrekturdosen zu berechnen und Hypoglykämien zu behandeln. Die Pflegefachperson beobachtet, ob sie die Technik sicher beherrscht, und fragt nach, wie sie den Umgang mit der Erkrankung emotional verarbeitet.
Zusammenfassung
Typ 1 bedeutet: kein eigenes Insulin mehr. Lebenslange Substitution, Schulung und wachsames Erkennen von Hypoglykämie und Ketoazidose sind die Kernaufgaben.
Quellen
- LeitlinieS3-Leitlinie Therapie des Typ-1-Diabetes
- LernhilfeLernhilfe der Tinos Pflege Lern App