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Demenz und Delir

Chronischer Abbau versus akute Verwirrtheit – unterscheiden, erkennen und angemessen pflegen.

Fachlich geprüft und freigegeben · Stand: 27.10.2026

Definition Demenz

Demenz ist ein erworbenes, meist fortschreitendes Syndrom mit Verlust kognitiver Fähigkeiten (Gedächtnis, Orientierung, Sprache, Urteilsfähigkeit) bei zunächst klarem Bewusstsein. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz, gefolgt von vaskulärer Demenz, Lewy-Körper-Demenz und frontotemporaler Demenz.

Definition Delir

Ein Delir (delirantes Syndrom) ist eine akute, über Stunden bis Tage entstehende Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein mit schwankendem Verlauf. Es ist meist Folge einer körperlichen Ursache (Infekt, Dehydratation, Medikamente, Schmerz, Harnverhalt) und bei älteren Menschen häufig – besonders bei vorbestehender Demenz.

Abgrenzung Demenz – Delir – Depression

  • Beginn: Delir akut, Demenz schleichend, Depression über Wochen.
  • Bewusstsein: beim Delir getrübt und schwankend, bei Demenz lange klar.
  • Verlauf: Delir tageszeitlich schwankend, Demenz stetig progredient.
  • Behandlung: Delir ist meist umkehrbar, wenn die Ursache behandelt wird – deshalb ist das Erkennen so wichtig.

Herausforderndes Verhalten

Weggelauftendenz, Unruhe, Schreien, Aggression oder Verweigerung von Pflege sind häufig Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse, Schmerzen, Angst oder Überforderung – nicht „böser Wille“. Die Pflege sucht nach Auslösern (Biographie, Tageszeit, Umgebung, körperliche Ursachen), bevor Maßnahmen gewählt werden.

Pflegerische Prinzipien bei Demenz

  • Beziehung und Biographie kennen; Gefühle ernst nehmen (Grundhaltung der Validation).
  • Ruhig, freundlich, in kurzen Sätzen kommunizieren; nicht korrigieren und nicht überprüfen („Wissen Sie noch, wer ich bin?“).
  • Tagesstruktur und vertraute Umgebung geben Sicherheit.
  • Basale Stimulation und Kinästhetik einsetzen, um Wahrnehmung und Bewegung zu fördern.
  • Schmerzassessment mit Verhaltensskalen (z. B. BESD), weil Schmerzen oft nicht geäußert werden.

Pflegerische Prinzipien beim Delir

  • Ursache suchen und melden: Vitalzeichen, Flüssigkeitshaushalt, Infektzeichen, Medikamentenliste, Ausscheidung.
  • Orientierungshilfen: Uhr, Kalender, Brille und Hörgerät bereitlegen, ruhige und helle Umgebung.
  • Vertraute Bezugspersonen einbeziehen; Sturz- und Weglaufgefahr beachten.
  • Freiheitsentziehende Maßnahmen sind letztes Mittel und brauchen eine richterliche Genehmigung.

Angehörige

Angehörige sind wichtige Informationsquellen und zugleich selbst belastet. Beratung zu Verlauf, Umgang und Entlastungsangeboten gehört zur pflegerischen Aufgabe.

Zusammenfassung

Akut und schwankend = an Delir denken und die Ursache suchen. Schleichend und stetig = Demenz. Beide brauchen eine ruhige, beziehungsorientierte Pflege ohne Korrekturzwang.

Wissenstest (1)

Aufgabe 1 · Mehrfachauswahl · Delir erkennen

Herr Z., 84 Jahre, war bei Aufnahme orientiert. Am 2. Tag nach der OP ist er plötzlich unaufmerksam, nestelt an der Bettdecke und wechselt zwischen Schläfrigkeit und Unruhe.

Welche Aussagen sind richtig?

Quellen